Die Freiheit des Loslassens
Viele Menschen haben Angst davor loszulassen. Es ist die Angst vor dem Neuen - sie haben Angst, dass das was auf sie wartet schlechter ist, als das was sie haben oder gar nichts mehr zu haben. Seien es Beziehungen, Jobs, Dinge. Und so halten sie fest, nach dem Glaubenssatz - das ist besser als nichts und sind dabei oft sehr unglücklich. Es reicht manchmal einfach den Blickwinkel zu ändern.
Loslassen ist eines der Themen, welches mir viele, viele Male begegnet ist und es erscheint mir als eines von denen, vor dem die Menschen am meisten Angst haben. Es spiegelt sich auf allen Ebenen wider, wird aber meist in zwischenmenschlichen Beziehungen am schmerzhaftesten empfunden. Sie haben das Gefühl einen geliebten Menschen zu verlieren und tun mit höchstem Energieaufwand alles, um ihn festzuhalten. Das ist nicht möglich, man keine Menschen festhalten - man kann sie aber auch nicht loslassen, denn mit jedem Menschen, den wir begegnen haben wir eine Verbindung. Ob wir diese als "gut" oder "schlecht" empfinden hängt nur von uns selbst ab.
Die Verbindungen zwischen den Menschen basieren immer auf Gefühlen. Selbst wenn man denkt, dass man mit jemandem ein rein sachliches Gespräch führt, besteht auf einer unterbewussten Ebene eine gefühlsmäßige Verbindung - immer. Wenn du mit jemandem sprichst, wird immer auch mitschwingen, ob du ihn sympathisch findest oder nicht. Meist braucht es dazu nicht einmal Worte - wir kommen in einen Raum, wo wir niemanden kennen und trotzdem fühlen wir uns zu bestimmten Menschen hingezogen und zu anderen weniger oder gar nicht. Warum ist das so? Quantenphysik, Magie, Zufall oder von allem ein bisschen?
In Wahrheit können wir das nicht mit dem Verstand erklären - der Verstand funktioniert analytisch und in Schemen. Der Verstand sucht sofort nach Gemeinsamkeiten oder Unterschieden zu uns selbst, wenn wir jemanden neu kennenlernen. Und umso mehr Gemeinsamkeiten er findet, umso sympathischer ist uns unser Gegenüber und je mehr Unterschiede, umso unsympathischer. Soweit ist alles klar und es gibt unzählige Bücher, Seminare etc. um zu lernen, diese Verbindungen herzustellen. Diese Verbindungen sind kurzfristig sehr hilfreich und können uns helfen, Dinge zu verkaufen oder unsere Ziele voranzubringen. Aber warum ziehen uns manche Menschen an, mit denen wir kaum Gemeinsamkeiten zu haben scheinen und das oft langfristig und auf unerklärliche Weise?
Da lohnt es sich etwas tiefer zu gehen. Wir sagen oft, wir sind auf einer Wellenlänge oder "den kann ich gut riechen" oder "die sehe ich gerne". Es sind immer Menschen, deren Herzen und Gefühle auf derselben Frequenz schwingen. Und warum spüren wir das bei manchen erst nach vielen Begegnungen? Die Menschen spielen unterschiedliche Rollen, wenn wir jemanden z.B. in einem geschäftlichen Umfeld begegnen, dann wird er oft eine andere Rolle spielen als in einem privaten Umfeld. Umso freier die Umgebung und der Grund des Zusammentreffens, umso schneller spürt man auch, ob man auf einer Wellenlänge ist. Umso echter, ehrlicher und authentischer eine Person ist, umso schneller spürt man diese Verbindung. Und das ist unabhängig von der anderen Person, man verbindet sich unterbewusst automatisch mit jenen Personen, die ähnlich schwingen. Die anderen hat man gar nicht "am Radar". Es sind jene, welche man, wenn man in einen Raum mit vielen Menschen kommt, gar nicht wirklich wahrnimmt. Und ja, weil ich das oft gefragt werde - es gibt sie, die Liebe auf den ersten Blick. Dieser wunderbare, magisch wirkende Zustand tritt immer dann ein, wenn sich zwei Menschen in ihrer reinsten, echtesten und ehrlichsten Form - ohne Rolle, ohne Maske - begegnen oder besser gesagt anziehen. Und ja, es ist Magie - die Magie dieses wunderbaren Lebens.
Das hört sich jetzt alles wunderbar und einfach an, aber warum fällt es uns dann so schwer loszulassen? Viele Menschen haben verlernt auf ihr Bauchgefühl zu hören, sie sind programmiert darauf, wie sie sich verhalten sollen und jeder kennt das Gefühl, wenn man jemandem begegnet und sich denkt: "Sie ist so nett, ich verstehe nicht, warum ich mich in ihrer Nähe unwohl fühle / sich mich nervt." Und meist hat man dann ein schlechtes Gewissen und unterdrückt dieses Gefühl und lächelt und führt Small Talk, in der stillen Hoffnung, das Treffen möge bald vorbei sein. In diesen Fällen fällt uns das Loslassen ganz leicht - egal ob bewusst oder unterbewusst, zukünftige Treffen werden von ganz alleine kurz ausfallen oder gar nicht stattfinden. Es sei denn, wir spielen eine Rolle und haben bestimmte Intentionen - aber es wird uns auf einer Gefühlsebene nicht berühren, ob diese Treffen nun stattfinden oder nicht.
So und jetzt kommt der Fall, wo es den meisten von uns am schwierigsten fällt. Wir kennen eine Person, Freund:in, Partner:in und waren immer auf einer Wellenlänge. Und auf einmal - gefühlterweise plötzlich - scheint es nicht mehr zu passen. Alles was diese Person sagt, nervt uns, Dinge, über die wir früher gelacht haben, finden wir plötzlich einfach nur dumm, wir ärgern uns über diese Person und streiten immer öfter. Wir spüren, dass es nicht mehr passt und haben oft ein schlechtes Gewissen - wir können nicht einfach gehen, manchmal braucht uns diese Person, manchmal glaube wir diese Person zu brauchen und manchmal glaube beide Personen sich zu brauchen. Man versucht mit aller Kraft die andere Person zu überzeugen, zu diskutieren, zu reden und in vielen Fällen, die andere Person zu verändern, so dass es wieder so werden mögen, wie es einmal war. Das mag manchmal für kurze Phasen gelingen, aber diese Phasen werden immer kürzer und jene, in denen man sich unwohl fühlt immer länger. Oft fühlen sich Menschen, dieser Person auch verpflichtet oder haben Angst sie zu verletzten und so dreht sich die Spirale aus Streit, Vorwürfen und Verletzungen immer weiter nach unten. Man greift die Person an, versteht nicht, warum sie sich so verhält und denkt so oft an vergangene Momente. Viele Menschen leben jahrelang in solchen Konstellationen.
Was ist passiert und gibt es einen Ausweg? Fakt ist und viele Menschen wissen es, man kann eine andere Person nicht ändern, das kann immer nur die Person selbst und aus freiem Willen. Es ist hinfällig sich darüber den Kopf zu zerbrechen oder noch unzählige Male darüber zu diskutieren. Die einfache Wahrheit ist: man hat sich selbst verändert. Menschen wachsen und entwickeln sich weiter - in unterschiedlichen Geschwindigkeiten und in unterschiedliche Richtungen. Man selbst ist gewachsen und fühlt sich mit dieser Person nicht mehr auf einer Wellenlänge. Das ist weder gut noch schlecht. Diese Person ist weder gut noch schlecht. Es ist einfach nur anders. In gesunden Beziehungen wachsen die Menschen mit und aneinander - da mag es zwar Meinungsverschiedenheiten geben, aber man wird nie das Gefühl haben, diese Person festhalten zu müssen oder loslassen zu wollen. Viele Menschen suchen dann einen Schuldigen, die andere Person, das Umfeld oder sich selbst. Sie versuchen oft, sich selbst so zu verbiegen, dass wieder Harmonie herrscht - aber das ist nicht möglich. Es ist als würde man versuchen einen Schmetterling wieder zurück in seinen Kokon zu stecken. Man wird nicht mehr glücklich sein. Die Gespräche bereichern einen nicht mehr, man weicht Berührungen aus, man weicht diesem Menschen aus und niemand ist mehr wirklich glücklich. Man spürt es innerlich, man weiß es in Wahrheit einfach.
Es geht nicht, um die andere Person - es geht um einen selbst. Es bringt auch nichts, die andere Person zu verurteilen oder schlecht zu machen, wie gesagt, es ist unabhängig von der anderen Person. Meist ist man einfach nur nicht mehr ehrlich zu sich selbst. Einem selbst sind andere Werte wichtig geworden, man interessiert sich für andere Themen und umgibt sich mit anderen Leuten, man hat vielleicht größere Träume und Visionen, man möchte andere Dinge erleben. Man ist aus den alten Verhaltensweisen und Mustern hinausgewachsen, man gelernt, was einem wichtig ist und das wird sich im Leben immer und immer verändern. Und dafür kann man sehr dankbar und glücklich sein, wenn man sich selbst verändert und wächst und immer näher zu jenem Punkt kommt, wo man vollkommen echt und eins mit sich selbst und der Welt ist. Es ist ein Glücksgefühl, welches unbeschreiblich ist und nach dem sich alle Menschen in der Tiefe ihres Herzens sehnen.
Festhalten
Fühlt sich krampfhaft an, man braucht dafür sehr viel Energie, die einem selbst nicht mehr zur Verfügung steht, sondern auf eine Sache, Beziehung oder andere Person fixiert ist. Das eigene Wachstum wird eingebremst und es führt nie zu dem gewünschten Ergebnis, weil man an etwas festhält, was einem selbst (nicht mehr) gut tut, an etwas, dass man nicht ändern kann oder versucht, sein eigenes Verhalten so zu ändern, dass man wieder in die alte Schublade passt.
Um diese Energie spüren zu können, mach einfach folgende Übung: Strecke deine beiden Hände gerade vor deinem Körper aus und jetzt stell dir eine Person vor dir vor, die du festhalten möchtest und spanne die Fäuste an und dann stell dir vor, wie diese Person zerrt, da sie weglaufen möchte und umso mehr du festhältst, umso stärker zerrst sie an deinen Händen. Spürst du wie verkrampft deine Hände sind? Spürst du wie viel Energie, dich das kostet? Spürst du wie sehr dein Fokus auf der anderen Person ist? Spürst du, dass du deine Hände nicht frei hast, um etwas anderes zu machen? Spürst du, dass du um dich herum kaum noch etwas anderes wahrnimmst?
Fallen lassen
Wenn du aus diesem Artikel nur einen Satz mitnehmen möchtest, dann ist es der folgende, welcher wirklich den Blickwinkel ändert: Fallen lassen und loslassen, sind zwei vollkommen unterschiedliche Dinge und Energien. Beim Fallen lassen, stoßt man eine Person oder Sache von sich weg, sehr oft in der unterbewussten Hoffnung, der andere würde dann sehen, was er/sie verloren hat oder man hofft, dass es dem anderen dann schlecht geht. Oft ist es der Gedanke: 'das geschieht ihm jetzt recht' oder 'sie wird schon sehen, was sie davon hat'. Das hat absolut gar nichts mit loslassen zu tun - das Gefühl, welches meist unterbewusst dahinter liegt, ist es den eigenen Schmerz zu unterdrücken, es ist oft ein Hilfeschrei und das Gefühl, welches in einem selbst zurück bleibt - nach einer kurzfristigen Erleichterung - ist Rache, Schadenfreude oder sogar Hass. Mag sein auch bei der anderen Person, aber auf jeden Fall immer bei dir selbst und in deinem Herzen. Glück und Leichtigkeit sehen anders aus.
Wenn du willst mach dazu folgende Übung: strecke deine Hände aus und mache deine beiden Hände zu Fäusten, die nach unten zum Boden zeigen und dann stell dir vor, wie du etwas filigranes Zerbrechliches oder ein Herz in deinen Händen hältst. Öffne die Fäuste und lass es fallen, sie zu, wie es zu Boden fällt und mit einen Knall Scherben zerbricht - vielleicht nur in zwei, vielleicht in tausend, wie immer du es dir vorstellen magst.
Du lässt damit alles Fallen, all die schönen Erinnerungen, alles was du gelernt hast, alles woran du gewachsen bist. Auch das kann man kitten, aber das ist ein schwieriger Weg und jeder der schon einmal versucht hat, eine hinuntergefallene Vase wieder zusammensetzen, weiß wovon ich spreche und ob man das dann wirklich noch will, ist eine andere Geschichte.
Loslassen
Und wie fühlt sich loslassen an? Strecke deine Hände wieder gerade aus vor deinem Körper und mache sie zu Fäusten - diesmal nach oben zeigend und nun öffne sie und stell dir vor, dass du warmen Sand in deinen Händen hältst und nun öffne sie und stell dir vor, dass alles, was du nicht mehr brauchst und dich nicht mehr glücklich macht, durch deine Finger rieselt und das was dich glücklich macht bleibt einfach in deinen Handflächen.
Loslassen fühlt sich leicht an, es fühlt sich befreiend an, es fühlt sich natürlich an - wie einatmen und ausatmen, wo wir mit jedem Atemzug einatmen, was uns gut tut und ausatmen, was wir nicht mehr brauchen. In deinem Herzen bleibt in diesem Fall ein positives Gefühl zurück: Dankbarkeit, liebevolle Erinnerungen, Lernerfahrungen, welche dir bei deinen Träumen hilfreich sein werden und das Gefühl von innerem Frieden und Freiheit. Du lässt nicht einzelne Menschen los, sondern nur all jene Verhaltensweisen, die du nicht mehr brauchst, all die Erfahrungen, die du nicht mehr machen möchtest. Du richtest deinen Blick einfach auf die Zukunft und auf all die Dinge, die dich erfreuen und all die Menschen, denen du begegnen wirst und all die Erfahrungen, die du machen wirst, die dich glücklicher machen werden, als das was du losgelassen hast.
Ja, es kann kurz Angst machen und es können Zweifel aufkommen, aber das ist oft so, wenn man die alten Ketten abstreift. Um es in anderen Worten auszudrücken, stell es dir einfach vor, wie einen Schmetterling, der zum ersten Mal seinen Kokon verlässt - dort war es warm und sicher und gemütlich und es war alles was er gekannt hat. Und plötzlich beginnt dieser Kokon aufzubrechen, auseinanderzubrechen und dem armen Schmetterling kommt es vor, als ob seine ganze Welt zerbricht. Doch dann schlüpft er raus und kann plötzlich fliegen und in der Sonne und im Wind tanzen und dann erst sieht er all die anderen Schmetterlinge. Denkst du, er wird seinen Kokon vermissen?
Anziehen
Und dann passiert etwas Wunderbares - man mag es Gesetz der Anziehung, Glück, Zufall oder Quantenphysik nennen, der Effekt und das damit verbundene Gefühl ist das Gleiche. Man zieht plötzlich Menschen an, die einen ähnlichen Weg schon gegangen sind, man fühlt sich, als ob man zu Hause angekommen ist. Die Welt erscheint leicht und man hat das Gefühl, als ob einem das Glück in den Schoß fällt. Man zieht Dinge und Möglichkeiten an, die man vorher einfach nicht gesehen hat. Man macht die Dinge, die man von Herzen gerne macht. Das Gesetz der Anziehung wirkt so oder so immer - es wirkt nur um einiges schneller und leichter, wenn man gelernt hat loszulassen, denn der Raum der dadurch frei geworden ist, wird mit Dingen aufgefüllt, die einen glücklich machen.
Und die Menschen, die man losgelassen hat? Wie gesagt, es ist nicht möglich Menschen loszulassen - man lässt eigene Verhaltensweisen, Situationen und Dinge los, von denen man spürt, dass sie einem selbst nicht mehr gut tun. Man gibt diesen Menschen, den Raum ihren eigenen Weg zu gehen, selbst zu wachsen oder auch nicht - es ist ihre eigene Entscheidung, es ist ihr eigener freier Wille, was sie daraus mitnehmen möchten. Manche bleiben dort stehen, wo sie sind und der Raum der geschaffen wurde, wird einfach wieder mit der gleichen Energie aufgefüllt. Viele finden ihren eigenen Weg und werden auf eine andere Art und Weise glücklich, wie man selbst. Manchen begegnet man wieder und spürt auf einmal, dass man wieder auf einer Wellenlänge ist, die meisten bleiben, weil man in den meisten Fällen immer auf irgendeiner Ebene auf einer Wellenlänge ist und manchen begegnet man einfach nie wieder.
Um es mit den Schmetterlingen abzuschließen, aus den meisten Raupen werden Schmetterlinge, möglicherweise in einer anderen Geschwindigkeit. Und ein Schmetterling kann einer Raupe hundert Mal erzählen, wie es ist ein Schmetterling zu sein - sie wird es erst verstehen oder besser gesagt spüren, wenn sie selbst ein Schmetterling ist.
Wer selbst etwas Loslassen möchte und Neues anziehen möchte und nur nicht weiß WIE, kann mich gerne kontaktieren:
[email protected]. Ich liebe es Menschen beim WIE zu helfen - es funktioniert immer, wenn man es aus freiem Willen will.
Auch ich selbst habe mir nicht immer leicht damit getan, loszulassen. Doch eines Tages, gab es auf dieser Welt einen großen Tumult und ich hatte von einem auf den anderen Tag, dass Gefühl, als würde man mir alles entreißen, was mir lieb ist. Ich bin ein Kind der Freude und der Freiheit und ich habe schon immer verstanden, dass ich für mein Glück selbst verantwortlich bin und so habe ich mir mein Leben auch so eingerichtet, dass ich immer glücklich war.
Doch wie gesagt, von einem Tag auf den anderen war mein wundervoll konstruiertes Leben für mich gefühlterweise ein einziger Scherbenhaufen - keine Reisen, keine Partys, keine Freunde, um mich, keine Kollegen, kein Büro. Und ich versuchte es festzuhalten, mit aller Kraft und allen Mitteln, die mir zur Verfügung standen. Ich redete mir ein, es würde vorbeigehen, es seien nur zwei Wochen und dann würde alles wieder so sein wie früher. Plötzlich hatte ich soviel Zeit und als meine erste Wut verraucht war, fing ich an zu spüren, dass es nicht mehr so sein würde, wie früher. Das etwas Neues entstand, etwas so Großes, dass es mir Angst machte und dass ich gewisse Dinge, nicht ändern konnte. Aber dass ich ganz viele Dinge ändern konnte und ich habe für mich eine Entscheidung getroffen - ich würde alles, was ich nicht mehr brauchte loslassen und alles was mich glücklich macht behalten. Mich persönlich macht es glücklich, meine Zeit mit liebevollen Menschen zu verbringen und ich will lachen und frei sein. Bei der Liebe und bei der Lebensfreude bin ich nie einen Kompromiss eingegangen und daran würde sich auch nichts ändern und die Freiheit habe ich nie verraten. Das ist der Blueprint meiner DNA. Und dann habe ich meine Fäuste nach oben geöffnet, dass alles was ich nicht mehr brauche, sich auflösen möge und alles was, mir wichtig ist bleibt.
Und ja, ich hatte Angst, da ich nicht wusste, was auf mich zukommen würde, aber ich habe mich auf einmal so leicht gefühlt. Es war so ein wunderbarer Frühling, ich begann nach draußen zu gehen und ich begegnete so vielen wunderbaren Menschen. Ich habe viele Dinge ausprobiert und bei manchen habe ich gespürt, dass sie zu mir passen und bei anderen nicht. Ich liebe echte Menschen und das echte Leben und mir waren Online-Meetings früher ein Graus. Ich habe alles gelernt und die Vorteile gesehen - ich habe meinen Widerstand dagegen losgelassen, weil ich gesehen habe, wie viele Menschen man damit erreichen kann. Ich habe mir dann, wie immer, das Beste aus beiden Welten rausgenommen: ich liebe heute die Unabhängigkeit und Freiheit des Homeoffices und online zu arbeiten, privat und für meine persönlichen Freunde, verwende ich es kaum noch, ich habe irgendwann einmal gespürt, dass ich die Nähe der Menschen und den persönlichen Kontakt liebe. Der Ton der dort oft herrschte und die Art, wie manche Menschen durch die Anonymität des Internets kommunizierten, zogen mir oft den Magen zusammen - ich wollte das nicht in meinem Leben haben. Dadurch gewann ich viel Zeit, welche ich für meine Träume und Qualitätszeit mit meinen Lieben verwenden konnte - eine meiner geliebten Win-win Situationen. Dadurch gewann ich auch immer mehr Abstand zu dem Tumult, der auf dieser Welt tobte. Ich fühlte mich nicht mehr eingesperrt, keine einzige Sekunde - ich fühlte mich freier als jemals zuvor. Es war, als ob sich vor meinen Augen eine vollkommen neue Welt eröffnete. Ich reiste trotzdem, anders als vorher und es war nicht mehr, das Gefühl vor etwas davonzulaufen, sondern etwas Neues zu gewinnen. Ich begann die Natur zu lieben und auf einmal war es auch wunderbar hin und wieder alleine zu sein. Meine Gedanken sprudelten über, ich lernte so viele neue Dinge, machte so viele neue Erfahrungen und es überwältigte mich immer wieder im positiven Sinne. Diese Ruhephasen taten mir so gut, da sie all das neu aufgenommene miteinander verbanden und ich fühlte einen inneren Frieden, den ich bisher nicht kannte - unabhängig von allen äußeren Umständen und dem was andere Menschen taten oder dachten.
Und die Menschen? Ich spürte, dass ich wuchs und ich spürte, dass ich mit vielen nicht mehr auf einer Wellenlänge war. Ich spürte, wie sie versuchten mich festzuhalten und wieder so zu formen, wie ich vorher war. Ich stieß hin und wieder auf Unverständnis und wurde auch hin und wieder für wahnsinnig erklärt. Wenn ich ehrlich bin, war es mir irgendwann einmal egal. Ich habe früher versucht Menschen festzuhalten, ich hatte, das Gefühl, welches so viele Menschen haben, dass ich ihnen helfen müsste, dass ich ihnen etwas schuldig bin, manche taten mir leid und ich fühlte mich verpflichtet ihnen zu helfen. Doch irgendwann hatte ich verstanden, dass ich das nicht kann, wenn sie es selbst nicht wollen - es kostete mich so viel Energie, welche mir dann fehlte.
Was ich nie gemacht habe, ist es, Menschen fallen zu lassen, dafür liebe ich die Menschen zu sehr und dafür bin ich viel zu dankbar, für alles was ich bin und habe und gelernt habe. Ich habe immer versucht einen gemeinsamen Nenner zu finden, ich habe mich immer auf die positiven Eigenschaften fokussiert, um auf dieser Ebene eine Verbindung herzustellen. Doch ich war gewachsen und ich habe immer mehr gespürt, welches Verhalten mich glücklich machte und welches nicht und ich spürte immer stärker, was echt war und was nicht.
Heute gelingt es mir ganz leicht loszulassen - in einem Bruchteil von Sekunden. Ich spüre die Energie und die Intentionen der Menschen - es ist dabei vollkommen egal, ob sie in meiner Nähe sind oder ob es einfach nur online ist. In Wahrheit kann es jeder spüren, nur meistens und so war es auch früher bei mir, wischt man dieses Gefühl weg und es vergraben unter all den Dingen, die uns unser Verstand Glauben macht, wie wir sein und was wir tun sollten. Und wie gesagt, es sind nie die Menschen, die ich loslasse, sondern ein Verhalten oder eine Situation. Ich spürte, dass ich nach der Begegnung mit einigen erschöpft und müde war, es gab Diskussionen, welche ich nicht mehr führen wollte, da ich spürte, dass es nicht darum ging eine Lösung zu finden, sondern den anderen den eigenen Willen aufzudrängen. Ich fühlte mich unwohl und habe die Situation meistens verlassen. Es war als ob jemand versuchen würde, einen Schmetterling zurück in seinen Kokon zu drängen. Ich wollte da nicht mehr rein, ich wollte fliegen. Ich habe jedoch immer zugehört, ich spürte oft die Ängste der Menschen und die Energie, welche dahinterstand und in ihren Herzen eingeschlossen war. Diese Energie ist sehr kraftvoll und wenn es gelingt, sie auf Träume und Visionen zu kanalisieren, dann können daraus die wundervollsten Dinge entstehen. Dadurch ist alles ins Fließen gekommen, Menschen kamen und gingen, manche kamen zurück und manche kamen nie wieder, manche sind durchgehend geblieben und manche nur für Momente. An meinem inneren Frieden hat das absolut gar nichts geändert - für mich fühlte es sich immer leicht an. Ich sah, dass manche Raupen sein wollte, ich sah, dass manche in ihrem Kokon sein wollten und viele, viele Schmetterlinge sind zurückgekehrt oder ich habe neue angezogen.
Einen der Sätze, welchen ich wohl am öftesten gehört habe, war sinngemäß: "Wenn ich in deiner Nähe / bei dir bin, dann fühlt sich das Leben so leicht an und ich fühle mich immer wohl." Ich musste dann immer lächeln, denn in Wahrheit hatte das nichts mit mir zu tun, sondern einfach damit, dass die Menschen aus freiem Willen hier waren und so sein konnten, wie sie in Wahrheit sind. Es war ihre eigene Energie und wahren Gefühle, die sich entfaltet hatten. Mich freute es, sie glücklich zu sehen und ich freute mich, dass sie mir so sehr vertrauten, dass sie sich öffneten und es freute mich, dass ich den Raum erschaffen hatte, in dem das möglich war. Sie sagten oft, dass sie hier bleiben wollten und sie schauten mich verdutzt an und ich spürte manchmal, dass sie mich für wahnsinnig hielten, wenn ich antwortete: "Nein, kleiner Schmetterling, denn jetzt kannst du selbst fliegen".
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