Treue
Treue klingt heute fast altmodisch - man kann es auch Loyalität nennen, das klingt moderner - es ist in Wahrheit aber das Gleiche. Viele Menschen haben sie verlernt, denn sie glauben, dass die Treue sie ihrer Freiheit beraubt und sie einschränkt. Genau das Gegenteil ist der Fall - sie schafft inneren Frieden und Freiheit von der viele Menschen nur träumen können.
Treue ist ein Gefühl, welches in den Herzen der Menschen wächst. Es ist das Vertrauen in sich selbst, in die Partner:in, in andere Menschen, das Leben und die Welt. Sie macht unabhängig davon, was andere Menschen tun und wie die Umstände sind. Man braucht nicht mehr darüber nachgrübeln und Angst haben, was die anderen machen - es ist völlig irrelevant, wenn man dieses Gefühl im eigenen Herzen trägt.
Warum denken so viele Menschen, dass die Treue nicht mehr existiert? Warum suchen so viele Menschen danach? Warum misstrauen sie den anderen?
Die Antwort ist einfach: sie suchen die Treue im außen, sie erhoffen sie von anderen Menschen, sie machen daraus einen Tauschhandel, nach dem Motto, wenn du mir treu bist, dann bin ich es auch. Sie glauben an alte Definitionen, welche jemand anderer, eine Institution, eine "Gemeinschaft" definiert hat. Daher variiert der Begriff auch in unterschiedlichen Regionen der Welt so stark, in einer ist es jemanden anderen anzuschauen und in einer anderen scheint Treue von außen betrachtet gar keine Rolle mehr zu spielen. Und noch stärker variiert es zwischen den einzelnen Menschen, für die einen ist es ein Blick, für die anderen ein Kuss und für andere ist alles offen.
Und wie immer, wenn etwas nur von außen kommt, schränkt es die Menschen ein und um in dieses Schema zu passen oder sich selbst hinein zu quetschen, ist viel Druck und Zwang notwendig - negative Energie, welche sich gegen einen selbst, eine andere Person und dem Versuch die Definitionen der anderen zu ändern, richtet. Energie, die das eigene Herz vergiftet - von innerem Frieden und Freiheit bleibt dann nicht mehr viel übrig. In ihren Herzen entsteht dann das Gefühl der Eifersucht - ein Gefühl, dass schon viele Menschen in den Abgrund gerissen hat.
Was ist die Eifersucht und wie fühlt sie sich an? Von außen betrachtet sehen sie viele Menschen sogar als Liebesbeweis. Das ist ein weit verbreiteter Irrglaube, Liebe ist bedingungslos, wenn man dafür einen Beweis braucht, dann ist es im besten Fall eine stillschweigende Übereinkunft über ein gemeinsames Ziel. In Wahrheit ist es ein billiger Tauschhandel, der für viele lange Zeit gut geht, bis sie eines Tages der Liebe begegnen. Die Formen, welche die Eifersucht annimmt, ist so vielfältig wie die Menschen selbst. Sie reichen von scheinbar scherzhaften Bemerkungen, über unterschwellige Manipulation, unterschiedlich starkem Druck oder Zwang bis zu absichtlich herbeigeführten Verletzungen, um andere zu "bestrafen". So wie bei allen positiven Gefühlen, der einzige Motor dahinter die Liebe ist - so ist bei allen negativen Gefühlen, der einzige Motor dahinter die Angst. Die eigene Angst nicht gut genug zu sein, sie existiert nur in den eigenen Herzen der Menschen und vergiftet sie selbst und ihr eigenes Leben. Auf der anderen Seite ist es die Abhängigkeit anderen gefallen zu müssen und dafür ihre Bestätigung zu bekommen. Umso stärker diese Angst ausgeprägt ist, umso extremere Formen nimmt die Eifersucht in ihrer äußeren Ausprägung an. Und es ist dabei vollkommen egal, ob man selbst eifersüchtig ist oder eifersüchtige Menschen anzieht, man ist immer Teil dieses negativen Energieaustausches solange man in diesem Teufelskreis mitspielt.
Das Gefühl der Treue hingegen ist leicht. Man fühlt sich unabhängig, die Liebe und das Leben fließen, die einzigen Gedanken, welche man hat sind Freude, Glück und Leichtigkeit. Es ist ein Gefühl der Liebe, offen, frei, fließend. Der Austausch der Energien beflügelt, man grübelt nicht einen einzigen Moment darüber nach, ob man jemandem gefallen könnte und man spürt in seinem Herzen, dass man für den/die andere(n) wichtig ist.
Wie man dieses Gefühl erreichen kann, ist in Wahrheit ganz einfach. Es gibt viele Wege und jeder davon ist individuell je nachdem wie tief die Angst verwurzelt ist, was einem selbst wichtig ist, die eigene Bereitschaft, der Wahrheit ins Auge zu sehen, zu sich selbst und den anderen Menschen ehrlich zu sein und in einem zweiten Schritt klar und ehrlich kommunizieren und danach leben zu wollen.
Die folgenden Schritte sind nur ein schemenhafter Überblick, damit unser Verstand es erfassen kann, vielen Menschen fällt es leichter nach einem Schema vorzugehen - das ist aber nicht zwingend notwendig, manchmal hat man das große Glück, dass es sich von selbst auflöst und zwar in dem Moment, wo man der Liebe begegnet.
1. Ehrlichkeit und Erkennen
Das ist der einzige Schritt, welcher kurz etwas weh tun kann. Ehrlichkeit zu sich selbst ist eine der stärksten heilenden Energien, die es gibt. Warum so viele Menschen davor so große Angst haben ist einfach: man reißt in diesem Moment eine Mauer ein, welche man sich jahrelang - oft ein ganzes Leben - aufgebaut hat, um vermeintlich sein eigenes Herz zu schützen, nicht erkennend, dass man sich ein eigenes Gefängnis gebaut hat. Es ist die Lüge die weh tut, wenn sie ans Licht kommt, nicht die Wahrheit. Oder um es anders auszudrücken, es ist wie eine eitrige Wunde, welche man mit einem sauberen Schnitt aufschneidet, damit sie dann heilen kann. So ist es auch mit den Herzen der Menschen, das Gift, welches sich dort viele Jahre angesammelt hat, muss erst einmal raus. Es geht ganz, ganz schnell und es ist ein kurzer Schmerz, danach fühlt man sich befreit, so als ob man einen langen, chronischen Schmerz in einem Moment los ist.
Also dann wollen wir. Es ist nur ein einziges Mal notwendig sich diese Fragen anzuschauen und ehrlich zu beantworten, nur für sich selbst - es ist deine Geschichte, niemand muss es erfahren, du bist niemandem eine Rechenschaft schuldig, es ist nur für dich selbst und wenn du nur ein einziges Mal zu dir selbst ehrlich bist, wirst du diesen dunklen Ort in deinem Herzen für immer verlassen und nie wieder dorthin zurückkehren.
Was ist dein Anteil an dieser Situation? Wann hast du das Gefühl nicht genug zu sein? Was machst du nur, um anderen zu gefallen? In welchen Situationen übst du Druck und Zwang auf dich selbst aus? In welchen auf andere? Wovor hast du Angst, wenn eine andere Person weg sein könnte? Wann und von wem hast du dich "schlecht behandeln" lassen? Warum hast du nicht nein gesagt? Wann und in welchen Situationen "bestrafst" du andere? Und wie sieht diese "Strafe" aus (Beleidigung, Liebesentzug, Erpressung,...)? Wann fühlst du dich anderen gegenüber schuldig? Wann legst du Rechenschaft ab?
Beantworte die Fragen in welcher Form immer es dir am einfachsten fällt. Am leichtesten ist es oft es einfach nur auf einem Blatt Papier aufzuschreiben. Du brauchst nicht darüber nachzudenken, du brauchst nicht an den Ort zurückgehen, wo diese Gefühle das erste Mal aufgetreten sind, du brauchst nicht darüber reden und du brauchst sie auch nicht zu analysieren. All das würde nur dazu führen, dass wir diesen dunklen Gefühlen Aufmerksamkeit schenken und sie dadurch wieder und wieder durchleben und ihnen die Macht geben, unsere Herzen zu beeinflussen. Diese Gefühle sind jetzt hier, nicht in der Vergangenheit, denn wenn sie geheilt wären, würdest du sie nicht mehr fühlen. Wenn du fertig bist, kannst du den Zettel noch einmal durchlesen, wenn du willst. Es kann sein, dass bei dieser Übung Tränen fließen - das ist sogar gut, es wäscht all das Gift aus deinem Herzen. Und dann nimm den Zettel und zerreiße ihn oder verbrenne ihn oder wirf ihn in einen Fluss. ES IST VORBEI - diese Gefühle werden keine Macht mehr über dein Herz besitzen.
2. Treue zu sich selbst
Dann beginnt der Prozess der Heilung. Das kann sich in einem ersten Moment ungewohnt anfühlen, denn auf einmal ist soviel Platz im eigenen Herzen. Die Mauern sind weg, die Wunde ist gereinigt - es mag sich in einem ersten Moment wie Leere anfühlen, doch es ist Freiheit. Es ist als, ob das Leben einem ein neues, reines Blatt Papier gegeben hat. Man sitzt davor und weiß zuerst nicht, mit was man es befüllen soll. In Wahrheit wurde das Blatt nur umgedreht, die Lernerfahrungen, die auf der Rückseite stehen, sind ein Teil von dir, der dich wachsen hat lassen. Und jetzt kannst du deine Geschichte neu schreiben, wie immer du sie dir wünschst, was immer dich glücklich macht. Und um bei der Treue zu bleiben, du kannst dir ein Gefühl der Treue erschaffen, welches genau für dich passt, wie immer es aussehen mag. Und auch das musst du mit niemandem teilen, es ist deine Treue, zu dir selbst, es ist der Kompass deines Herzens. Sie ist unabhängig von alten Definitionen und anderen Menschen. Es ist vollkommen egal, ob du einem Mann oder einer Frau oder beiden treu sein willst, ob du vielen Menschen treu sind willst, ob sich das auf eine körperliche, emotionale, mentale oder seelische Ebene bezieht oder auf alle. Und du musst es auch niemandem erzählen, wenn du es fühlst wirst du einfach danach leben und handeln. Es reicht dir selbst treu zu sein.
Was heißt Treue für dich? Welchen Werten willst du treu sein? Wo beginnt für dich körperliche Treue und wo hört sie auf? Wo beginnt für dich mentale Treue und wo hört sie auf? Wo beginnt für dich emotionale Treue und wo hört sie auf? Welche davon ist dir wichtig, welche nicht und in welcher Verbindung stehen sie zueinander? Bist du bereit, deine eigene Treue zu leben? Wie fühlt sich für dich Treue an, für dich alleine, in einer Beziehung, in einer Gemeinschaft?
Die Antworten auf diese Fragen variieren von Mensch zu Mensch und wie alles im Leben, sind sie fließenden und verändern sich im Laufe der Zeit. Wenn du diese Antworten aufschreibst, dann sind sie eine Momentaufnahme, daher kann es sinnvoll sein, die Antworten von Zeit zu Zeit wieder einmal anzuschauen und für sich selbst anzupassen. Wenn du wächst und andere Erfahrungen machst und anderen Menschen begegnest, dann kann sich die Treue andere Formen annehmen. Was jedoch immer gleich bleibt, ist das Gefühl in deinem Herzen - du spürst weder Druck noch Zwang, sondern nur fließende Leichtigkeit.
3. Die Freiheit der Treue
Wenn du dir selbst deiner Treue bewusst geworden bist, dann spürst du auf einmal dieses wunderbare Gefühl der Freiheit. Es fühlt sich so an, wie bei dem Spiel "Tauziehen", wo jeder eine Seite eines Seils hält und versucht, den anderen auf seine Seite zu ziehen. Die Hände brennen, die Gesichter sind verhärtet und meist ist es ein langes Hin und Her. Es ist so, als ob man das eigene Ende des Seils einfach loslässt. Wenn du willst, sagst du vielleicht vorher noch: "Ich will nicht mehr mitspielen, ich lasse jetzt los." Es ist eine win-win Situation, der andere freut sich, dass er das Seil gewonnen hast und du bist frei. Diese Phase kann für manche noch einmal herausfordernd sein, aber sie tut nicht mehr weh. Was dann passiert sind zwei Dinge, sie laufen parallel ab und verstärken sich gegenseitig. Auf der einen Seite lösen sich all die negativen Gefühle auf und mit ihnen gehen oft auch die Menschen, deren Handlungen sie uns bewusst gemacht haben. Das ist der Teil, welcher noch herausfordern sein kann, da man das Gefühl haben kann, ihnen zu etwas verpflichtet zu sein oder man das Gefühl hat, sie unglücklich zu machen. Und jetzt kommt ein wichtiger Satz: Du bist niemals für das Glück eines anderen Menschen verantwortlich, der über das große Geschenk eines eigenen freien Willens verfügt. Genauso wenig, wie jemand anderer für dein Glück oder Unglück verantwortlich ist. Nie und unter keinen Umständen. [Ja, wir sind dafür verantwortlich Menschen zu helfen, die über keinen freien Willen verfügen, weil sie sehr klein sind, er vorübergehend durch Krankheit oder Verlust ausgesetzt ist, sie alt und schwach sind oder uns aktiv um Hilfe bitten. Dafür gibt es Eltern, Experten, Pfleger, Sachwalter und andere Menschen, die dafür ausgebildet sind.] Es kann sein, dass sie versuchen dir das Seil wieder in die Hand zu geben, es kann sein, dass sie versuchen dich zu verletzen, zu bestrafen unter Druck zu setzen oder manipulieren. Es berührt dich nicht mehr, es sind ab diesem Moment ihre Gefühle. Dein Herz ist frei. Und auf der anderen Seite, werden von den Dingen, welchen du treu sein willst immer mehr in dein Leben kommen. Was immer du für dich selbst entschieden hast, wen, was oder wie Treue für dich aussieht, du wirst davon in Hülle und Fülle haben. Wenn du der Ehrlichkeit treu sein willst, dann wirst du ehrliche Gespräche, Erfahrungen und Menschen in dein Leben ziehen. Wenn es körperliche Treue ist, dann wirst du Menschen in deinem Leben haben, denen das wichtig ist. Wenn du eine offene Form der Treue leben willst, dann wirst du diese Form anziehen - es werden Menschen in dein Leben treten, die sich damit wohl fühlen und es wird keine Eifersucht geben. Umso ehrlicher du zuvor mit dir selbst warst, umso einfacher, schöner und fließender wird dieses Gefühl der Freiheit sein...
Fühle ich mich frei und leicht, wenn ich ... tue? Fühle ich mich frei und leicht, wenn ich bei ... bin? Habe ich noch das Bedürfnis auf irgendjemanden Druck auszuüben? Ist es wirklich meine Form der Treue oder gibt es noch einen kleinen Teil, den ich von anderen, alten Gedanken oder der Sucht zu gefallen übernommen habe? Fühle ich mich gut bei dem was ich tue?
Wenn du manchmal noch einen Widerstand spürst, dann kann es sein, dass du noch einmal genauer hinschauen musst. Das sind aber kleinere Lernerfahrungen, sie führen nur zu einem noch größeren Gefühl der Freiheit. Wie gesagt, in einem ersten Schritt reicht es, dass alles für dich selbst zu machen, dass Gefühl der Leichtigkeit wird zur passenden Zeit und wann immer du dafür bereit bist, alles anziehen, was du dir wünschst.
4. Akzeptanz und Liebe von Treue
Akzeptanz ist der kleine Bruder der Liebe. Es bedeutet einfach die Menschen und Dinge so wahrzunehmen, wie sie sind - ohne Be- oder Verurteilung. Und so ist es auch mit der Treue - jeder Mensch hat eine eigene Form der Treue - sie zu akzeptieren heißt nur sie zu sehen und anzuerkennen, du musst sie weder für dich gut befinden oder danach leben. Dadurch verschwindet jeder Druck, jede Form der Eifersucht aus deinem Herzen. Es ändert nichts an deiner eigenen Definition von Treue - rein gar nichts. Es reicht zu akzeptieren, dass andere sie nicht so leben wollen und das war's.
Und dann wirst du beginnen, deine eigene Treue zu lieben. Es wird dich nicht mehr interessieren, ob sie für andere passt. Du wirst sie einfach leben. Du brauchst nicht mehr darüber nachdenken, was du sagst oder tust. Du bist einfach treu, dir selbst, deinen Werten, den anderen Menschen, der Liebe, deinem Leben, deinen Träumen, deinen Zielen. Dann ist Treue ein Gefühl - es ist in deinem Herzen, du kannst sie teilen so oft wie du willst, sie geht nicht mehr weg, sie wächst und gedeiht wie eine Blume und erblüht in strahlender, anziehender Schönheit.
Von diesem Moment an, brauchst du keine Fragen mehr zu beantworten, weder dir selbst noch anderen. Wer immer an deiner Seite oder in deinem Leben ist, wird es spüren. Es ist egal, ob es sich dabei um eine Beziehung, eine Arbeit, ein Projekt, eine Freundschaft handelt, sie werden dir alle treu sein, weil du es selbst ausstrahlst. Du kannst auch Loyalität einsetzen, es ist wie gesagt das gleiche.
5. Kommunikation
Du wirst es manchmal sinnvoll finden, deine Art von Treue zu kommunizieren. Du musst es nicht tun, es funktioniert auch wenn du einfach nur danach lebst. Die Menschen spüren es. In einer Welt, welche aber auf dem Verstand basiert und manche Menschen nur einen eingeschränkten Zugang zu ihren eigenen Herzen haben, kann es das gegenseitige Verständnis und Akzeptanz aber erleichtern. Umso enger eine Verbindung ist und umso höher die Frequenz oder gleiche Wellenlänge, umso weniger verbale Kommunikation ist normalerweise notwendig. Wenn du mit jemandem eine Herzens- oder Seelenverbindung hast, dann reichen oft ganz wenige Worte, ein Blick, ein Lächeln, ein Zwinkern und jeder kennt diese Situationen, wo es wie ein Zufall scheint, dass man den gleichen Gedanken hat, gleichzeitig anruft oder über viele Kilometer Entfernung, einfach fühlt wie es dem anderen geht. Rein körperliche oder mentale Verbindungen, brauchen mehr an Kommunikation. Insbesondere in Online-Dating Situationen, wo soviel an Information, wie Mimik, Gestik und insbesondere das Spüren der anderen Person verloren geht, kann es sinnvoll sein, sehr klar zu kommunizieren.
Eine der mächtigsten Fragen ist: Was willst du? Mehr brauchst du nicht zu fragen. Es ist vollkommen egal, ob und welche Antwort du bekommst, denn in dem Moment wo du sie stellst, beantwortest du sie dir auch selbst.
In Wahrheit ist es vollkommen egal, ob du in dem obigen Artikel, dass Wort Treue immer durch Liebe ersetzt und ob du es für eine Beziehung, Freundschaft oder Projekt anwendest. Es ist auch egal, an welchem Punkt du einsteigst und ob du einen Punkt davon überspringst. Denn im Gegensatz zu unserem Verstand, der analytisch, analog und in zeitlichen Reihenfolgen denkt, "denkt" unser Herz kreativ, digital und synchron. Denn Zeit und Raum sind relativ.
Ich könnte viele Geschichten erzählen von schönen Casanovas, eiskalten Herzensbrechern, begehrten Junggesellen und altmodischen Schürzenjäger. Als ich vor vielen Jahren begonnen habe für mein Herzensprojekt zu recherchieren, da bin ich auch ihnen begegnet. Ich habe viele wohlgemeinte Ratschläge gehört - er wird dir das Herz brechen; was willst du von dem; findest du niemanden besseren,... Ich habe lachend geantwortet: Keine Angst, mir passiert nichts. Und so war es auch.
Ich habe sie alle gefragt: "Was willst du?", um sicher zu gehen, dass es ihr freier Wille ist und sie haben mir die unterschiedlichsten Antworten gegeben - die Essenz daraus war aber mehr oder weniger immer die gleiche, egal wie sie es ausgedrückt haben - "ich kann nichts versprechen - jeder kann machen was er will". Und meine Antwort war mehr oder weniger: "Ist gut, das passt für mich". Und dann sagte ich ihnen noch: "Die Liebe und die Treue gehören für mich zusammen. Und noch etwas ganz Wichtiges, egal was du sagst oder tust, ich kann in deinem Herzen lesen, wie in einem offenen Buch". Das haben sie dann meist schon gar nicht mehr gehört. Sie dachten, sie wären im Paradies und das waren sie auch für Momente.
Und dann habe ich gar nichts mehr gemacht, absolut gar nichts. Sie waren die einzigen Regisseure in ihren Geschichten. Ich habe nur beobachtet, zugehört und geschrieben. Ich habe nicht gefragt, wo sie sind, wann sie kommen, mit wem sie sich treffen - gar nichts, ich habe nur reagiert. Und so hat jeder gemacht, was er wollte und ich natürlich auch. Nach einiger Zeit ist es ihnen dann gedämmert, dass es so nicht gemeint war. Und dann wurde nachjustiert, mit "Treueklauseln" und "Punktelisten". Ich sagte wieder: "Ist gut". Ich spürte natürlich, dass es nicht um uns ging, sondern darum ihr eigenes Ego zu schützen und ihr Image vor ihren Freunden aufrecht zu erhalten. Manchmal sagte ich zu Vorschlägen "Nein" und zwar immer dann, wenn ich selbst dadurch nicht mehr glücklich gewesen wäre. Und ich war sehr, sehr glücklich. Ich hatte alles was ich wollte, wann immer ich wollte - mein Glück war nur ein kleines bisschen aufgeteilt. Sie führten in Wahrheit alle eine Beziehung mit sich selbst, nach ihren eigenen Regeln, nach ihren eigenen Standards, mit soviel Liebe und Treue wie sie selbst haben wollten. In ihren Herzen, da sah ich die Sehnsucht nach Liebe und Treue, nach Anerkennung, nach Zugehörigkeit und Zusammenhalt. Sie dachten jemand anderer könnte ihnen geben, was sie sich selbst nicht geben können. Wenn Menschen nicht bekommen, was sie wollen, dann werden die Handlungen, welche sie gegen die anderen richten oft böse. Ich erinnere mich an Momente, wo mich ihre Wut in voller Wucht traf, an Vorwürfe und Beschimpfungen, an Eifersüchteleien und Druck. Sie hatten sich ihre eigenen Herzen in der Welt nachgebaut. Ich wollte in deren Welt nicht sein und in diesen Momenten habe ich dann noch laut geschrien: "Ich lasse jetzt das Seil los." und dann habe ich losgelassen.
Als ich begonnen hatte meine Mitschriften für mein Herzensprojekt zu ordnen, da habe ich die Zettel mit den Geschichten gefunden, sie schienen mir wie aus einer anderen Welt und einem anderen Leben. Und als ich sie durchgelesen habe, da habe ich bemerkt, dass ich alle Details schon vergessen hatte und es nicht meine Geschichten waren und ich habe sie in den Ofen reingehaut.
Ich bin unendlich dankbar, dass das Gift der Eifersucht mein Herz nie ergriffen hat - kein einziges Mal. Ich bin für mein Herzensprojekt viele Kompromisse eingegangen, weil ich bestimmte Dinge lernen und selbst spüren wollte. Manche Erfahrungen sollte ich machen und manche einfach nicht. Heute glaube ich, dass Kompromisse bei Dingen, die unwichtig sind, das Leben manchmal erleichtern: wer bringt den Müll runter und wer kocht, fahren wir ans Meer oder in die Berge? Bei den wichtigen Dingen und mit den Menschen kann die Lösung immer nur ein Konsens sein. Das ist auch der Grund, warum ich lachte, als meine Freunde mich warnen wollten. Ich bin Kompromisse eingegangen, wenn es nicht wichtig war. Bei der Liebe - und in Wahrheit ist die Treue nur ein Teil der Liebe - der Ehrlichkeit und dem freien Willen habe ich immer einen Konsens gefunden.
Einige von ihnen wurden zu lieben Bekannten und wenn sie mir manchmal ihre Geschichten erzählen und um einen kleinen Tipp fragen, dann antworte ich: "In Wahrheit ist es ganz einfach, wenn du Liebe willst, dann liebe, wenn du Treue willst, dann sei treu und wenn du Ehrlichkeit willst, dann sei ehrlich." "Einfaches Gesetz des Universums oder einfache Quantenphysik - an was immer du glauben willst," füge ich dann noch mit einem lächelnden Zwinkern hinzu.
Für mich persönlich ist Treue aber ein viel größeres Gefühl - es umfasst alles: Menschen, Werte, Beziehungen, Visionen, Träume, Projekte, alles was ich berühre. Wenn der Mond die Liebe darstellen würde, dann wären die Sterne für mich die Treue. Ich bin ihnen allen immer treu geblieben. Es war unabhängig davon, was die anderen gemacht haben. Ich war einmal in der Situation, wo ich aus einem kurzen Gefühl der Rache und Vergeltung und weil es sich einfach so ergeben hatte, die Möglichkeit hatte auch in diesem Fall, die Erfahrung auf der anderen Seite des Lichts zu machen. Ich konnte es nicht, ich wollte es nicht - es fühlte sich an, als würde ich die Liebe und mich selbst verraten. Ich kann mich erinnern, wie ich ein paar Minuten vorher mein Handy in die Hand nahm und schrieb: "Es tut mir leid, ich kann es nicht." Ich erhielt die Antwort: "Warum stellst du dich jetzt so an? Es wird nie jemand wissen." Ich schrieb nur: "Ich würde es wissen." und dann atmete ich auf und schaltete mein Handy aus. Was ich in diesem Moment gewonnen hatte, war eine tiefe Erkenntnis: Wenn die Liebe ein Band ist, dass alles in meinem Leben verbindet, dann hätte ich es in diesem Moment durchgeschnitten. Und ja, man kann es wieder zusammenbinden, aber es bleibt ein Knoten in dem Band und alles was es verbindet, würde nicht mehr gleich fließen, wie zuvor. Und ja, auch ich habe Bänder mit ein paar Knoten in meinem Leben - das Band der Liebe ist aber eins und so wird es auch bleiben. Ich habe es für mich gemacht und das ist meine Geschichte.
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